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Antibiotikaresistenzen verbreiten sich vom Stall bis hin zu Wildtieren

Antibiotikaresistenzen verbreiten sich vom Stall bis hin zu Wildtieren Foto: Pixabay.com

(02. Oktober 2026)

Antibiotikaresistenzen sind offenbar nicht nur ein Problem von Medizin und Nutztierhaltung. Eine neue Studie zeigt, dass auch wildlebende Mäuse auf deutschen Bauernhöfen zahlreiche Resistenzgene tragen. Besonders auffällig: Rund die Hälfte der bei Rindern, Schweinen und Geflügel vorkommenden Resistenzgene fand sich auch in den untersuchten Mäusen.

Wildmäuse tragen erstaunlich viele Resistenzgene

Für die Studie analysierte ein Forschungsteam unter Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung und des Max Delbrück Centers die Darm-Mikroorganismen von 875 wildlebenden Hausmäusen (Mus musculus) auf Bauernhöfen in Deutschland. Untersucht wurde, welche Faktoren Einfluss darauf haben, welche und wie viele Antibiotika-Resistenzgene im Darm-Mikrobiom der Tiere vorkommen.

Neben Geschlecht und körperlichem Zustand der Mäuse betrachteten die Forscher*innen unter anderem die Nutzung umliegender Flächen, klimatische Bedingungen sowie die Dichte von Rindern, Schweinen und Geflügel. Anschließend verglichen sie die Resistenzprofile der Mäuse mit verfügbaren Genomdaten aus Dung und Mist von Nutztieren.

„Wir hatten jedoch keine Vorstellung davon, welche Ausmaße dieser Transfer von Resistenz in die Wildtiere haben könnte“, sagt Dr. Víctor Hugo Jarquín-Díaz vom Max Delbrück Center. „Wir haben eine gewisse Überschneidung erwartet, aber dass rund 50 Prozent der Resistenzgene aus den Kühen, Schweinen und Hühnern auch in unseren wildlebenden Mäusen wiederzufinden war, hat uns überrascht.“

Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die Umwelt rund um einen Bauernhof größeren Einfluss auf das Resistenzprofil der Mäuse hat, als deren individuelle Merkmale. Die Nutzung hofnaher Flächen und der damit verbundene Kontakt zu Nutztieren erklärten etwa dreimal so gut, welche Resistenzgene nachweisbar waren, wie Geschlecht oder Gesundheitszustand der Tiere.

„Unsere statistischen Modelle zeigten auf, dass sich einzelne Faktoren sehr stark auf das Vorhandensein von einzelnen Resistenzgenen auswirken“, sagt Prof. Emanuel Heitlinger, der diese Studien an der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Leibniz-IZW durchführte und jetzt Wissenschaftler am Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz (LUA) ist. „So steht die Besatzdichte von Schweinen in starkem Zusammenhang mit Resistenzgenen, die mit von Tierärzten und Viehzüchtern häufig eingesetzten Breitbandantibiotika im Zusammenhang stehen, wie beispielweise Sulfonamide, Tetracyclin oder Beta-Laktame.“

Antibiotikaresistenzen sind auch ein ökologisches Problem

Aus Sicht des Forschungsteams sprechen die Resultate dafür, Antibiotikaresistenzen stärker als ökologisches Problem zu betrachten. „Wir konnten hier Pfade von Resistenzen über die Grenzen zwischen medizinischen oder agrarwirtschaftlichen Systemen hinweg in die Umwelt identifizieren“, sagt Prof. Stephanie Kramer-Schadt, Abteilungsleiterin am Leibniz-IZW und Professorin an der Technischen Universität Berlin. „Antibiotikaresistenz ist kein isoliertes, medizinisches Problem, sondern ein systemisches ökologisches Phänomen. Unsere Forschungen sind der erste Ansatz einer klaren ‚Landkarte‘ dafür, wie von Menschen stark genutzte und geprägte Ökosysteme die Entwicklung von Mikroorganismen in der Umwelt beeinflussen.“

Nach Einschätzung des Teams sollte die Überwachung von Resistenzen deshalb künftig nicht nur Krankenhäuser und Nutztierbestände berücksichtigen. Auch Wildtiere und natürliche Ökosysteme könnten bislang unterschätzte Reservoirs für Antibiotikaresistenzen sein.

Weitere Informationen

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)

 

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